Japans Elektriker-Lizenz Klasse 2 im Selbststudium — Ablauf und Gesamtkosten

Ich habe Japans Elektriker-Lizenz Klasse 2 gemacht — damit darf ich Hausinstallationen legal selbst ausführen

Ich bin Amateur und habe im Selbststudium gelernt — mit einem Lehrbuch und YouTube-Erklärvideos.

In diesem Artikel geht es darum, was die Elektriker-Lizenz Klasse 2 ist, wie ich sie bekommen habe und was das Ganze insgesamt gekostet hat.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Elektriker-Lizenz Klasse 2?

Kurz gesagt: eine staatliche japanische Lizenz, die zur Ausführung von Elektroinstallationen im Haus berechtigt.

Zum Beispiel erfordert das Ersetzen eines alten Lichtschalters aus der Shōwa-Zeit durch einen modernen (Foto unten) in Japan rechtlich eine Elektriker-Lizenz Klasse 2.

Beispiele für Arbeiten, die die Lizenz abdeckt
Beispiele für Arbeiten, die mit der Elektriker-Lizenz Klasse 2 erlaubt sind

Bestimmte „Kleinarbeiten“ sind ausgenommen und ohne Lizenz erlaubt. Zum Beispiel das Einstecken von Kabeln in eine Steckdose:

Kabel in die Steckdose stecken — ausgenommen

Aber die meisten anderen Verdrahtungsarbeiten im Haus erfordern die Lizenz.
(Laut japanischem Elektriker-Gesetz.)

Warum ich sie machen wollte

Für mich erweitert sie schlicht die Möglichkeiten beim DIY.

Der Auslöser war meine Recherche, wie man einen alten Shōwa-Schalter gegen einen modernen tauscht. Kurz gegoogelt → in Japan braucht man dafür selbst im eigenen Haus eine Lizenz.

„Es ist mein Haus — an meiner eigenen Verkabelung darf ich doch wohl arbeiten, oder?“

Offenbar nicht. Das japanische Gesetz sagt Nein.
Und ohne Lizenz kann ich natürlich auch nicht darüber bloggen.

(Nebenbei: Ein britischer Freund erzählte mir, in Großbritannien dürfe man am eigenen Haus frei und ohne Lizenz arbeiten. Ob das dort wirklich legal ist, weiß ich nicht — aber interessant.)

Also:

„Gut, dann mache ich eben die Lizenz. Klingt nach Spaß.“

Und ich habe mich zur Prüfung angemeldet.

(Zum eigentlichen Austausch der Shōwa-Schalter gibt es einen eigenen Artikel — auf Japanisch und Englisch; deutsche Version folgt.)

Der Weg zur Lizenz

Stand 2022 findet die Prüfung zweimal pro Jahr statt — im ersten und im zweiten Halbjahr. Ich fand heraus, dass die Anmeldung für die Prüfung im ersten Halbjahr etwa im März öffnet, und habe mich im März angemeldet.

Die Prüfung besteht aus zwei Teilen: schriftliche Prüfung und praktische Prüfung.
Wer die schriftliche besteht, kommt zur praktischen weiter.

Durchgeführt wird die Prüfung vom „Electrical Engineers Examination Center“ (一般財団法人 電気技術者試験センター). Anmeldegebühr: 9.300 Yen (ca. 55 €). Außerdem erstellt man ein Konto auf deren Website und lädt ein Foto hoch.

Schon rund 10.000 Yen ausgegeben — Scheitern war keine Option.
Also ran ans Lernen für die schriftliche Prüfung. (Da ahnte ich noch nicht, wie viel später noch für Bücher und Werkzeug dazukommen würde…)

Die schriftliche Prüfung

Das Lehrbuch

Ich habe bei Amazon nach „Lehrbuch Elektriker Klasse 2“ gesucht und das Top-Ergebnis gekauft:
„Elektriker-Lizenz Klasse 2 — Schriftliche Prüfung: Sui-tto Pass“ (2.090 Yen).
Sechs Kapitel nach Priorität geordnet, viele Abbildungen, sehr zugänglich.

Lehrbuch für die schriftliche Prüfung

Wie viele Punkte braucht man?

Es ist ein Multiple-Choice-Test mit 50 Fragen, und man muss 30 richtig haben (60 %), um zu bestehen.
Ich habe also nicht versucht, einzelne Themen zu perfektionieren, sondern die ganze Bandbreite abgedeckt.
(Wenn du kein Ingenieurs-/Mathe-Typ bist und dich Themen der „elektrischen Grundlagentheorie“ wie spezifischer Widerstand und Schaltungsanalyse quälen: Du kannst sie ehrlich gesagt überspringen — 60 % reichen zum Bestehen.)

Laut Vorwort des Lehrbuchs ist die beste Schleife: die Erklärung eines Kapitels lesen → sofort die alten Prüfungsfragen hinten im Buch lösen. Und wiederholen. Ich habe mit Kapitel 1 angefangen, ein Gefühl für die Zeit pro Kapitel bekommen und mir die 6 Kapitel so eingeteilt, dass ich bis zum Prüfungstag durch war — gelernt habe ich morgens (ich bin Frühaufsteher).

Nebentipp — zu den „vollständigen Schaltplänen“

Die schriftliche Prüfung fragt „vollständige Schaltpläne“ (複線図, fukusen-zu) ab. Ein „einpoliger Übersichtsplan“ zeigt vereinfacht, wie Geräte verbunden sind; der „vollständige Schaltplan“ stellt jede einzelne Ader dar.

Vollständige Schaltpläne sind anfangs knifflig, aber das Lernen lohnt sich.
Der Grund: Den vollständigen Schaltplan aus dem Übersichtsplan zeichnen zu können ist für die praktische Prüfung unverzichtbar.

Für die praktische Prüfung musst du es ohnehin lernen — dann am besten gleich bei der Vorbereitung auf die schriftliche.

Die schriftliche Prüfung ablegen

Die schriftliche Prüfung des ersten Halbjahres 2022 war am Sonntag, dem 29. Mai. Ich wohne in Saitama, der Prüfungsort war die Universität Saitama. Auf dem Campus hingen überall Plakate der Studentenclubs — pure Nostalgie. Es machte mich etwas wehmütig, dass ich nie wieder Student sein werde. Vielleicht schreibe ich mich nach der Rente nochmal ein?

Die Ergebnisse standen etwa 2 Wochen später online (13. Juni).
→ Bestanden!

Erste Jahreshälfte 2022, schriftliche Prüfung: 78.634 Teilnehmer, 45.734 bestanden — Bestehensquote 58,2 %.

Die praktische Prüfung

Schriftliche bestanden — weiter zur praktischen.

Überblick

40 Minuten Zeitlimit. Wer die Verdrahtung gemäß der gestellten Aufgabe korrekt aufbaut, besteht.

Kabel, Schalter und andere Komponenten werden gestellt — aber das Werkzeug bringst du selbst mit.

Bei der praktischen Prüfung gilt: ein einziger Mangel irgendwo = automatisch durchgefallen. Hoher Druck.

„Streng!“ war meine Reaktion. Aber mal ehrlich — würdest du bei einem beauftragten Elektriker akzeptieren: „Es gibt ein paar Mängel, aber 70 % sind fertig, passt schon“? Eben. Also fair.

Die „Kandidatenaufgaben“ — vorab bekannt

Die offizielle Website veröffentlicht 13 mögliche Praxisaufgaben — deine Prüfung ist eine dieser 13.

Man kann sich also gezielt vorbereiten.

Vorbereitung auf die praktische Prüfung

Es gibt viele Lernoptionen — Bücher, Webressourcen usw. Ich habe die Erklärbroschüre aus meinem Werkzeugset plus die zugehörigen YouTube-Videos benutzt.

Werkzeug

Vom DIY habe ich Holzwerkzeuge, aber Elektroarbeiten brauchen anderes Werkzeug.

Bei der Online-Suche fand ich, dass HOZAN ein Werkzeugset speziell für die praktische Prüfung der Klasse 2 verkauft. Gekauft bei Amazon (12.000 Yen).
(Am Prüfungsort hatten etliche Teilnehmer genau dieses Set.)

HOZAN-Werkzeugset für die praktische Prüfung
HOZAN-Werkzeugset

Übungskabel und Komponenten

Es gibt fertige Sets aus Übungskabeln + Komponenten, also habe ich eines gekauft — ebenfalls bei Amazon.
„Praktische Prüfung Elektriker Klasse 2 — Übungsmaterial-Set (1 Durchgang Kabel + Komponenten)“ — etwa 15.000 Yen.

Übungsmaterial-Set der Mozu-Serie
Übungsmaterial-Set der Mozu-Serie

Beim Üben ging mir das Kabel aus, also habe ich nachgekauft.
Das zweite Set war auf die erwarteten Längen vorgeschnitten und pro Aufgabe verpackt — sehr praktisch. Amazon, 8.800 Yen.

Übungsset von Pro Support für Klasse 2
Pro-Support-Übungsset für Elektriker Klasse 2

Das Üben

HOZAN (der Werkzeughersteller) betreibt auch einen YouTube-Kanal namens „Denko Shiken no Tora“ (電工試験の虎) mit Videos zur Werkzeugnutzung und Schritt-für-Schritt-Aufbauten aller 13 Kandidatenaufgaben.

Ich habe mich fast ausschließlich auf diese Videos gestützt.
Der Ton des Moderators ist genau richtig — weder überdreht noch monoton. Man schaut die Videos sehr oft, das zählt also wirklich.

Wie gesagt sind die 13 Kandidatenaufgaben öffentlich, und eine davon kommt dran. Aber alle 13 Verdrahtungen auswendig zu lernen ist unrealistisch.

Der richtige Ansatz: richtig sicher darin werden, den Übersichtsplan der Prüfung in einen vollständigen Schaltplan zu überführen — und danach baust du.

Nachdem ich eine Weile die einzelnen Handgriffe geübt hatte, versuchte ich eine komplette Aufgabe am Stück — über eine Stunde. (Die Prüfung dauert 40 Minuten.) Autsch.
Also habe ich Abend für Abend gedrillt.

Am Ende hatte ich beim Fertigwerden noch etwa 7 Minuten übrig.

Mängelkriterien

Schon ein Mangel = automatisch durchgefallen. Die offizielle Website listet genau auf, was als Mangel zählt — Pflichtlektüre.

Die praktische Prüfung ablegen

Die praktische Prüfung des ersten Halbjahres 2022 war am Sonntag, dem 24. Juli.

Ein Schritt der Prüfung ist das Einsetzen eines Schalters in einen „Modulrahmen“ (連用取付枠). Ich zeichnete zuerst den Schaltplan und ging dann direkt ans Montieren des Schalters — zog ihn aber fest, bevor er ganz eingerastet war. Vermutlich Nerven.

Ich nahm den Schalter heraus, um ihn richtig einzusetzen, zog wieder fest — und er saß immer noch nicht ganz. Runde drei.

Hier begann die Panik.
Der Rahmen wird von verformbaren Metalllaschen gehalten, die man mit einem Schlitzschraubendreher umbiegt. Wiederholtes Lösen und Festziehen bricht sie irgendwann.
Und wenn sie brechen: Mangel → sofort durchgefallen. (Und die Prüfung hatte gerade erst angefangen.)

Beim dritten Versuch ging ich extrem behutsam vor, um keine Spannung aufzubauen. Der montierte Schalter hatte minimales Spiel (leichtes Klappern beim Antippen), aber ich traute mich nicht, den Rahmen weiter zu belasten. Hoffentlich ist ein kleines Klappern okay.

Danach kam ich beim Verdrahten in einen Flow und fing mich mental wieder. Innerhalb des Zeitlimits fertig geworden.

Das Schwierige beim Üben (und in der Prüfung): selbst zu beurteilen, ob die Verdrahtung korrekt und mängelfrei ist, ist gar nicht so leicht…

Bestanden!

Die Online-Ergebnisse kamen am 18. August → Bestanden!

Die offizielle Website formuliert es auf fein-umständliche japanische Art: „Ihre Nummer erscheint in der Liste der Bestandenen“ — das ist die Bestanden-Meldung.

Bildschirm mit der Bestanden-Bestätigung

Ich hatte ernsthaft viel Zeit ins Üben gesteckt — das Bestehen war eine echte Erleichterung.
Das offizielle Zertifikat kommt später per Post.

Erste Jahreshälfte 2022, praktische Prüfung: 53.558 Teilnehmer, 39.771 bestanden — Bestehensquote 74,3 %.

Der letzte Schritt ist die Ausstellung der Lizenz — dafür fallen nochmal 5.300 Yen Gebühr an…

Gesamtkosten

Die wichtigsten Kosten für die Elektriker-Lizenz Klasse 2:

・Prüfungsgebühr: 9.300 Yen
・Lehrbuch für die schriftliche Prüfung („Sui-tto Pass“): 2.090 Yen
・Werkzeugset für die praktische Prüfung (HOZAN): 12.000 Yen
・Übungskabel + Komponenten (Mozu-Serie, 1 Durchgang): 15.000 Yen
・Zusätzliches Übungskabel (Pro-Support-Set): 8.800 Yen
・Gebühr für die Lizenzausstellung: 5.300 Yen
(Plus Bahnfahrten usw.)

Gesamt: 52.500 Yen (ca. 310 €).

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