Kleine Kommode selber bauen — mit Schubladenschienen und Topfscharnieren

Meine Eltern haben mich gebeten, eine kleine Kommode mit einer Schublade oben und zwei Türen unten zu bauen — also habe ich sie als DIY-Projekt umgesetzt.

Es war mein erstes Mal mit einer kugelgelagerten Schubladenschiene und einem Topfscharnier (Euro-Scharnier), aber beides war nicht besonders schwierig — und hat sogar Spaß gemacht. Der größte Vorteil des Topfscharniers: Du kannst die Türposition auch nach der Montage noch vor/zurück, links/rechts und oben/unten feinjustieren — eine riesige Hilfe für Hobby-Handwerker, die eine saubere, gleichmäßige Fuge hinbekommen wollen.

Wenn du schon länger Möbel mit Schubladen und Türen bauen willst, findest du in diesem Beitrag Maß-Tipps und ein paar Fehler, die ich unterwegs gemacht habe.

Das lernst du in diesem Beitrag
  • Wie du eine Schubladenschiene bemisst und montierst
  • Wie du ein Topfscharnier montierst und die Türposition einstellst
  • Wie du mit Flachdübeln (Biscuits) eine saubere Optik ohne Schraubenlöcher erreichst
  • Wie du das Holz mit Antik-Wachs behandelst
Inhaltsverzeichnis

Die fertige Kommode

So sieht sie fertig aus — Schublade oben, Doppeltüren unten.

Fertige DIY-Kommode mit Schublade oben und Türen unten
DIY-Kommode mit geöffneten Türen


Dank der Topfscharniere konnte ich die Fuge zwischen den beiden Türen gleichmäßig einstellen und ein sauberes Erscheinungsbild erreichen. Die Oberfläche ist mit „Antique Wax“ von Turner Color Works in Dark Oak behandelt, was dem Holz einen warmen, leicht gealterten Ton gibt.

Material und Kosten

Der Korpus besteht größtenteils aus Kiefer-Leimholz. Innen in der Schublade kommen Zedern- und Paulownia-Leimholz zum Einsatz, die Rückwand ist Lauan-Sperrholz.

MaterialEinsatzortBezugsquelleKosten (ca.)
Kiefer-Leimholz
1820×300×18 mm (×2)
Korpus
(Bretter 1, 2, 3, 4, 5)
Baumarktca. 7.000 Yen
Paulownia-Leimholz
600×300×13 mm
Schubladenboden
(Brett 9)
Baumarktca. 850 Yen
Zedernholz
1820×120×14 mm
Schubladenseiten
(Bretter 7, 8)
Baumarktca. 1.200 Yen
Lauan-SperrholzRückwand
(Brett 6)
Baumarktca. 1.200 Yen
Flachdübel + Nutfräser für FlachdübelVerbindung der BretterAmazonca. 3.000 Yen
Schubladenschiene — Sugatsune Serie 4518, 250 mmEin Paar (links+rechts)Amazonca. 1.200 Yen
Topfscharnier — Sugatsune Olympia 360Voll aufschlagend × 4Amazonca. 1.200 Yen
Antique Wax (Dark Oak)Turner Color WorksAmazonca. 2.000 Yen
Griffe und FüßeBaumarkt, Amazonca. 2.000 Yen
Gesamtca. 20.000 Yen

(Handkreissäge und Oberfräse nicht eingerechnet.)

Maße und Zuschnittliste

Gesamtgröße

Außenmaße

Bemessen für den vorgesehenen Stellplatz: etwa 50 cm hoch × 50 cm breit × 30 cm tief (ohne Füße).

Isometrische Skizze der Gesamtmaße — 500 mm hoch, 500 breit, 300 tief, Schublade über den Türen

Innenmaße der Schublade

Skizze der Innenmaße der Schublade — 438 mm breit, 295 tief, 120 hoch

Schubladenposition / Spielraum

Frontansicht-Skizze mit 13 mm Spalt je Seite zwischen Schublade und Korpus

Zuschnittliste

Hier die Zuschnittmaße der einzelnen Bretter.

[Brett-Nummern]

Explosionsskizze mit Nummerierung der Korpusbretter: Seiten, Deckel, Boden, Türen und Rückwand
Skizze mit Nummerierung der Schubladenbretter — Front, Rückseite, Seiten und Boden

[Brett-Maße]

Zuschnittliste mit Maßen der Bretter 1 bis 5 der Kommode
Zuschnittliste mit Maßen der Bretter 6 bis 9 der Kommode

Die Bauschritte

Schritt 1: Bretter zuschneiden

Die Bretter habe ich mit der Handkreissäge zugeschnitten. Wer das nicht möchte: Die meisten Baumärkte in Japan bieten auch einen Zuschnittservice gegen Gebühr an.

Zuschnitt der Bretter mit der Handkreissäge
Gestapelte Bretter nach dem Zuschnitt


Nach dem Zuschnitt habe ich die Teile probeweise zusammengestellt (noch ohne Schrauben), um ein Gefühl für die endgültige Form zu bekommen.
Sieht schon ganz gut aus.

Probeaufbau der zugeschnittenen Bretter
Probeaufbau der Schubladenteile


[Meine Säge] Meine Handkreissäge ist eine HiKOKI C6MEY; das aktuelle Nachfolgemodell ist die C6MEY2 (Stand 2024). Die Preise sind gestiegen, daher ist auch die Mittelklasse-HiKOKI C6MB4 eine solide Wahl. Ich habe es auf die harte Tour gelernt — billige Säge gekauft, keine genauen Schnitte hinbekommen, am Ende ersetzt — Einsteigern empfehle ich deshalb Mittelklasse aufwärts.

Schritt 2: Den Schubladenkasten bauen

Los geht’s mit dem Schubladenkasten. Erst Löcher vorbohren, damit das Holz nicht reißt, dann verschrauben. Da das Innere der Schublade im Alltag nicht sichtbar ist, müssen die Schraubenköpfe nicht versteckt werden.

Vorbohren der Löcher für die Schublade
Verschrauben des Schubladenkastens
Schubladenkasten fertig montiert



Schritt 3: Korpus mit Flachdübeln bauen (ohne sichtbare Schrauben)

Für die sichtbaren Korpusverbindungen habe ich Flachdübel (Biscuits) gewählt. Ohne Schrauben sieht man keine Schraubenköpfe — die Optik ist deutlich sauberer.

Eine spezielle Flachdübelfräse kostet rund 30.000 Yen, aber du kannst stattdessen eine Oberfräse verwenden. Ich habe einen Nutfräser für Flachdübel eingespannt und die Schlitze damit gefräst.

Fräsen der Flachdübel-Schlitze mit der Oberfräse

Als Flachdübel habe ich Makita-Flachdübel Größe 0 verwendet.

Mit dem Nutfräser kannst du Flachdübel-Schlitze in die Brettkante fräsen.
Zeichne zuerst die Positionen der Schlitze an (Foto).

Anzeichnen der Schlitzpositionen

Dann die Schlitze so ausfräsen.

Schlitzfräsen mit der Oberfräse

Schlitz gefräst.
Und der Flachdübel sitzt stramm, so wie hier.

Flachdübel im Schlitz

An die im Bild gezeigten Stellen der Seitenwände kommt der Flachdübel-Fräser nicht heran, deshalb habe ich dort auf einen normalen Nutfräser gewechselt und eine gerade Nut gefräst.

Skizze der Nut an der Seitenwand
Nutfräsen mit einem Standard-Fräser
Fertige Nut

Als der Probeaufbau gut aussah, habe ich Titebond auf die Flachdübelverbindungen aufgetragen und alles endgültig verleimt und gespannt.

⚠️ Wichtig: Herausgequollenen Leim abwischen, bevor er aushärtet. Einmal ausgehärtet, lässt sich Titebond nur mühsam sauber entfernen.

Verleimen der Flachdübelverbindungen mit Titebond
Korpus eingespannt, während der Leim trocknet

Die Rückwand ist ein aufgeschraubtes Stück Lauan-Sperrholz für die Steifigkeit. Da sie verdeckt ist, dürfen die Schraubenköpfe sichtbar bleiben.

Aufgeschraubte Rückwand aus Lauan-Sperrholz

Achtung bei Flachdübelverbindungen
Wenn deine Bretter auch nur leicht verzogen sind, kann nach dem Verleimen ein kleiner Spalt bleiben. Eine Schraube kann einen leichten Verzug meist geradeziehen — Flachdübel + Leim allein haben diese Zugkraft nicht. Such dir möglichst gerade Bretter aus.

Schritt 4: Schubladenschiene montieren (Maß-Tipps)

Als Schubladenschiene habe ich die Sugatsune Serie 4518, 250 mm verwendet. Etwa 1.200 Yen für ein Paar (links+rechts) — ein fairer Preis.

So bemisst du die Schubladenbreite für die Schiene

Die Sugatsune 4518 trägt auf jeder Seite 12,7 mm auf. Wenn du den Spalt zwischen Schubladenkasten und Korpus auf exakt 12,7 mm auslegst, riskierst du, dass die Schublade gar nicht erst hineinpasst.

Skizze zur Schubladenbreite — 464 minus 13 minus 13 ergibt 438 mm, Schiene 12,7 mm dick je Seite
✅ Tipp: Plane den Spalt mit 13 mm statt 12,7 mm
Mit 13 mm hast du einen Hauch Spiel, der kleine Maßabweichungen auffängt — so gleitet die Schublade sauber hinein.

Montiere zuerst die korpusseitige Schiene. Setze sie auf die Höhe, auf der die Schublade mittig sitzen soll, mit der Vorderkante der Schiene bündig zur Vorderkante der Seitenwand, und schraube sie fest.

Montage der korpusseitigen Kugelauszugsschiene bündig mit der Vorderkante der Seitenwand

Damit die Schrauben mittig in den Langlöchern der Schiene sitzen, ist ein selbstzentrierender Körner (Center One) sehr praktisch.

Verpackung eines Center-One-Zentrierstifts (No.503W) zum Zentrieren der Schrauben in Langlöchern
⚠️ Gelernt: Schienen vor dem Korpus-Zusammenbau montieren
Ich habe erst den Korpus zusammengebaut — dadurch kam ich beim Montieren der Schienen schlecht an den hinteren Bereich der Seitenwand. Wenn dein Entwurf feststeht, schraube die Schienen an die Seitenwände, bevor du den Korpus zusammenbaust — das ist viel einfacher.

Jetzt die schubladenseitige Schiene. Zeichne eine Mittellinie auf den Schubladenkasten, richte die Schiene daran aus und schraube sie fest.
Position in der Tiefe: Vorderkante der Schiene bündig mit der Vorderkante des Schubladenkastens.

Schubladenseitige Auszugsschiene an der Mittellinie des Schubkastens verschraubt, von oben

Gleich beim ersten Versuch ließ sich die Schublade sanft öffnen und schließen — Schubladenschienen sind wirklich nicht schwer zu montieren und günstig. Ich kann sie für jedes DIY-Projekt mit Schublade empfehlen.

Zwei Fotos der Schublade, die auf den montierten Schienen leichtgängig auf- und zugeht

Nachdem die Schubladenmechanik funktionierte, war die Frontblende dran.

Positioniere die Frontblende (Brett 4) so, wie sie bei eingebauter Schublade sitzen soll, und verschraube sie von der Innenseite des Schubladenkastens aus.

Türblatt-Skizze mit einem 35-mm-Topfloch für das Topfband

Schublade fertig.

Zwei Fotos der fertigen Schublade mit Frontblende, herausgezogen und im Korpus eingesetzt

Schritt 5: Topfscharniere montieren — Fehler und Einstell-Tipps

Für die Türen habe ich Topfscharniere (Euro-Scharniere) verwendet. Sie ergeben Türen ohne von außen sichtbare Scharniere, und du kannst die Türposition auch nach der Montage noch justieren.

Konkret habe ich das Sugatsune Olympia 360, voll aufschlagend verwendet.

Ein einzelnes Sugatsune Olympia 360 Topfband (voll aufschlagend) auf Holz

Türseite: das 35-mm-Topfloch bohren

In die Tür wird ein „Topfloch“ mit 35 mm Durchmesser gebohrt. Der Standardabstand beträgt 5 mm von der Türkante (das Lochzentrum liegt also 22,5 mm von der Kante). Nicht durchbohren — nur so tief, dass der Scharniertopf bündig sitzt.

Türblatt-Skizze mit einem 35-mm-Topfloch für das Topfband

Das 35-mm-Loch habe ich mit einem Forstnerbohrer in der Bohrmaschine gebohrt.

❌ Fehler: Jede Tür braucht mindestens ZWEI Topfscharniere
Ich habe zuerst nur ein Scharnier links und eines rechts montiert — also ein Scharnier pro Tür. Die Türen wackelten sofort herum.
Jede Tür braucht zwei Scharniere, oben und unten. Ich musste nachbestellen.

Insgesamt kommen die Scharniere also an diese vier Stellen (zwei pro Tür, zwei Türen):

Skizze mit den vier Topfband-Positionen auf den Rückseiten der beiden Türen

Bohre das 35-mm-Topfloch und prüfe die Tiefe zwischendurch immer wieder am Scharnier selbst.

Drei Fotos — 35-mm-Holzbohrer, Bohren des Topflochs mit Akkuschrauber, das fertige Topfloch

Sitzt der Topf bündig, wird das Scharnier festgeschraubt.

Topfband an der Tür verschraubt, der Topf sitzt bündig im Loch

Dann die Montageplatte an den Korpus schrauben.

Geöffnete Tür mit oberem und unterem Topfband und den korpusseitigen Montageplatten

Türposition einstellen

Das Highlight des Topfscharniers ist die Verstellung in drei Achsen. Auch wenn beide Hälften montiert sind, kannst du die Türposition vor/zurück, links/rechts und oben/unten nachjustieren, um eine gleichmäßige Fuge zwischen den Türen zu bekommen.

✅ So justierst du
Die Montageplatte hat für jede Achse eine eigene Stellschraube. Eine etwas drehen, Fuge anschauen, die nächste drehen, wieder anschauen. Langsam arbeiten und dabei immer auf die Fuge zwischen den Türen schauen — so bekommst du auf beiden Seiten ein gleichmäßiges Fugenbild.

Die im Foto gezeigten Schrauben steuern:
1: links/rechts 2: oben/unten 3: vor/zurück

Einstellen der Montageplatte; Schrauben 1 seitlich, 2 Höhe, 3 Tiefe

Damit ist der Zusammenbau im Wesentlichen abgeschlossen.

Schritt 6: Oberflächenbehandlung mit Antik-Wachs

Nach dem Zusammenbau geht es an die Oberfläche. Ich habe von Turner Color Works das Antique Wax (Dark Oak) verwendet.

Erst mit Körnung 240 schleifen, dann das Wachs mit einem Lappen einarbeiten. Das war’s — keine besondere Technik nötig, und du bekommst einen dezent gealterten Look.

Drei Fotos — Antique-Wax-Dose, Einreiben des Wachses mit einem Lappen, die gewachste Kommode

Schritt 7: Griffe, Füße — und fertig

Die Griffe für Schublade und Türen habe ich im Baumarkt besorgt. Bei den Türgriffen werden die Schrauben von der Rückseite der Tür durchgesteckt und der Griff von innen festgezogen.

Drei Fotos — Schubladengriff und Türknöpfe, montierter Türgriff, Anziehen eines Knopfs von hinten

Als Füße habe ich höhenverstellbare Möbelfüße von Amazon verwendet, direkt an den Boden geschraubt.

Höhenverstellbare Möbelfüße und die vier an den Bodenboden geschraubten Füße

Fertig!

Fertige DIY-Kommode
DIY-Kommode mit geöffneten Türen


Die Schublade gleitet sanft, die Türen schwingen sauber. Mit nur zwei zentralen Beschlägen — Schubladenschiene und Topfscharnier — ist eine schlichte kleine Kommode entstanden, und der Bau hat richtig Spaß gemacht.

Fazit

Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Projekt:

  • Schubladenschiene: Plane den Spalt zwischen Korpus und Schublade mit 13 mm (nicht 12,7 mm). Und montiere die Schienen an den Seitenwänden, bevor du den Korpus zusammenbaust — viel besserer Zugang.
  • Topfscharnier: Verwende zwei pro Tür (eines allein wackelt). Dank der Drei-Achsen-Justierung nach der Montage bekommt auch ein Hobby-Handwerker eine gleichmäßige Türfuge hin.
  • Flachdübel: keine sichtbaren Schraubenköpfe, deutlich sauberere Korpus-Optik.
  • Antik-Wachs: einfach einreiben, weicher, leicht gealterter Ton — einsteigerfreundliches Finish.
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